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Beckenboden in der Lebensmitte: Was er leistet – und wann du genauer hinschauen solltest

Autorenbild: Kerstin U
Kerstin U
1. Okt.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Okt.

Der Beckenboden gehört zu den Körperregionen, über die viele Frauen erstaunlich wenig wissen – solange er keine Probleme macht.

Dabei arbeitet er jeden Tag mit: Er gibt Blase, Darm und Gebärmutter Halt, hilft bei der Kontrolle von Blase und Darm und muss erhöhtem Druck standhalten, zum Beispiel beim Husten, Lachen, Pressen oder Heben.

Deshalb lohnt es sich, ihn nicht erst dann wahrzunehmen, wenn Beschwerden entstehen.

Der Beckenboden ist mehr als ein einzelner Muskel

Der Beckenboden besteht aus Muskeln und Bindegewebe und bildet den unteren Abschluss des Beckens. Durch ihn führen Öffnungen für Harnröhre, Vagina und Enddarm.

Damit seine Aufgaben funktionieren, muss der Beckenboden nicht nur Kraft entwickeln können. Er muss auch gezielt reagieren und wieder entspannen können.

Genau deshalb ist „einfach mehr anspannen“ nicht für jede Frau automatisch die passende Antwort.

Was kann den Beckenboden im Laufe des Lebens beeinflussen?

Zu den gut belegten Einflussfaktoren gehören vor allem vaginale Geburten, höheres Alter und starkes Übergewicht. Auch chronischer Husten kann eine Belastungsinkontinenz begünstigen.

Bei schwerem Heben, chronischer Verstopfung und ähnlichen Belastungen wird ein Einfluss auf Senkungsbeschwerden vermutet, die Studienlage ist dafür aber weniger eindeutig. Es ist deshalb sinnvoll, nicht jede Belastung pauschal als Ursache zu behandeln.

Nach den Wechseljahren können Veränderungen im Gewebe von Scheide und Harnwegen zusätzlich Beschwerden im Beckenbereich beeinflussen. Ein einzelnes Symptom sagt aber noch nicht, welche Ursache dahintersteckt.

Welche Veränderungen können auffallen?

Beschwerden im Bereich des Beckenbodens können sehr unterschiedlich aussehen. Mögliche Hinweise sind zum Beispiel:

  • ungewollter Urinverlust beim Husten, Niesen, Laufen oder Springen

  • ein Druck- oder Schweregefühl im Becken

  • ein Fremdkörpergefühl oder das Gefühl, dass sich etwas nach unten senkt

  • häufiger Harndrang oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen

  • Probleme beim Stuhlgang

  • Schmerzen oder Probleme beim Geschlechtsverkehr

Solche Veränderungen können unterschiedliche Ursachen haben. Sie sind keine Selbstdiagnose und bedeuten nicht automatisch „Beckenbodenschwäche“.

Nicht jedes Problem braucht dieselbe Übung

Bei leichter Blasenschwäche und bei Senkungsbeschwerden kann fachgerecht angeleitetes Beckenbodentraining helfen. Es gehört zu den wichtigen konservativen Behandlungsmöglichkeiten.

Trotzdem ist „Mach einfach Beckenbodenübungen“ als allgemeiner Rat zu kurz gegriffen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen weist darauf hin, dass korrekt ausgeführtes Training normalerweise gut verträglich ist, falsches Training aber zu Verspannungen und Schmerzen führen kann. Am sinnvollsten ist es deshalb, die Übungen zunächst fachlich zu erlernen – besonders wenn bereits Beschwerden bestehen.

Beobachten ist ein sinnvoller erster Schritt

Bevor du sofort ein Trainingsprogramm beginnst, kannst du zunächst wahrnehmen, ob dir in bestimmten Alltagssituationen etwas auffällt.

Zum Beispiel:

  • beim Husten oder Niesen

  • beim schnellen Gehen, Laufen oder Springen

  • beim Heben

  • beim Toilettengang

  • nach längerer Belastung

  • bei Druck-, Schwere- oder Fremdkörpergefühl im Becken

Dabei geht es nicht darum, selbst eine Diagnose zu stellen. Es geht darum, deine Beobachtungen genauer zu kennen, damit du bei Bedarf gezielter nachfragen kannst.

Wann solltest du Beschwerden abklären lassen?

Wiederholter Urinverlust, ein deutliches Druck- oder Fremdkörpergefühl, der Verdacht auf eine Senkung, Schmerzen oder anhaltende Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang sollten medizinisch beziehungsweise physiotherapeutisch eingeordnet werden.

Bei einer Beckenbodensenkung können Blase, Gebärmutter, Vagina oder Darm betroffen sein. Je nach Ursache und Ausprägung kommen unterschiedliche Behandlungen infrage – zum Beispiel fachgerecht angeleitetes Beckenbodentraining, ein Pessar oder weitere medizinische Verfahren.

Auch wenn Beschwerden „typisch“ wirken: Du musst sie nicht einfach hinnehmen.

Dein nächster kleiner Schritt

Du musst deinen Beckenboden heute weder beurteilen noch „reparieren“. Vielleicht genügt zunächst die Frage: Was nehme ich eigentlich wahr?

Genau dabei hilft der kostenlose MORGENWÄRTS-Beckenboden-Check. Er führt dich durch einige Alltagssituationen, ohne dir eine Diagnose oder ein pauschales Übungsprogramm vorzugeben.

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Fachliche Grundlage

  • gesundheitsinformation.de (IQWiG): Wie funktioniert ein Beckenbodentraining? – Aufgaben des Beckenbodens, An- und Entspannung sowie typische Einsatzbereiche von Beckenbodentraining.

  • gesundheitsinformation.de (IQWiG): Scheidensenkung und Gebärmuttersenkung – Beschwerden, Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten.

  • gesundheitsinformation.de (IQWiG): Beckenbodentraining und Pessare bei Scheiden- oder Gebärmuttersenkung – Nutzen, Grenzen und Bedeutung korrekter Anleitung.

  • gesund.bund.de: Blasenschwäche (Harninkontinenz) – Formen, Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Selbstbeobachtung. Er ersetzt keine medizinische, physiotherapeutische oder individuelle Beckenbodendiagnostik.

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